Weihnachtsfest 2005 bei mir zu Hause mit mongolischen und georgischen Flüchtlingskindern und einer mongolischen Mama.



Hier meine Bilder von 2004- da hat alles angefangen.

WARUM???

Ich wurde einmal gefragt, warum ich diese Flüchtlingsarbeit mache- oder was das Schönste an dieser Arbeit ist.

Ich antwortete: "Die Welt kommt zu mir!" Bei einer meiner Aktionen im Flüchtlingshaus wurde mir das wieder sehr bewusst. Alle sind gekommen: Mongolen, Tschetschenen, Iraner, Afghanen, Kosovo-Albaner

Sie alle kommen zu mir. Die WELT kommt zu mir! Was kann es schöneres geben? Alle Herzen sind weit! Alle kommen sie in FRIEDEN zu mir. Mit lachenden Gesichtern. Mit offenen Herzen. Ich gehe auf sie zu

Sonja Raab

Es begann vor etwa 8 Jahren, als ich eine Dokumentation des Kriegsfotografen James Nachtwey sah.
Da stand ein kleiner tschetschenischer Junge im zerstörten Grosny, in einem grauen, viel zu großen Mantel, vor dem brennenden Körper seines Großvaters, der gerade getroffen worden war von einem Sprengsatz.
Und der Junge schrie. Er schrie die ganze Zeit wie am Spieß. Und als Untertitel war zu lesen, WAS dieser Junge da schrie: „Onkel, bitte nimm mich mit! BITTE NIMM MICH MIT!“ – damit meinte er den Kameramann Nachtwey. Der nichts anderes tat, als diese Menschen zu filmen und zu fotografieren. Jahrelang, in vielen Ländern der Erde, in denen Krieg herrscht. Nachtwey wünschte sich nichts mehr, als der Welt diese Bilder zu zeigen und damit etwas zu bewirken. In der Nacht nach dieser Dokumentation träumte ich von diesem schreienden Jungen. Ich wachte auf und heulte und stellte mir vor, wie ich dieses Kind an meinen Bauch drückte und ihm sagte: „Alles wird gut. Ich bin da. Alles ist gut“
Damals begann ich zu beten. Ich weinte und betete, wenn es hier bei uns Kinder gibt, die so etwas erlebt haben wie dieser kleine Junge in Grosny, dann solle Gott sie zu mir schicken und ich würde sie trösten und ihnen helfen.
Zwei Jahre später, ich war mittlerweile umgezogen und einiges in meinem Leben hatte sich verändert, ging mein Wunsch in Erfüllung. Die Gemeinde Opponitz suchte eine ehrenamtliche Helferin zur Betreuung von 19 Flüchtlingskindern aus Tschetschenien, Georgien, der Mongolei und anderen Ländern, während deren Eltern Deutschkurs machten.
Ich meldete mich und hatte fortan täglich 3 Stunden lang 19 Kinder von 2 Monaten bis 19 Jahren zu betreuen. Ich malte, lachte, sang, spielte. Und immer mehr und mehr bekam ich auch Kontakt zu deren Eltern, die mir von ihren Sorgen und Nöten erzählten. Zwischenmenschliches, politisches, religiöses, praktisches. Und die Kinder malten brennende Hubschrauber, blutende Menschenkörper und schreiende Kinder vor ruinierten Häusern.
Immer öfter lud ich die Kinder auch zu mir nach Hause ein. Wir feierten Weihnachten mit 10 Kindern, natürlich hatte ich auch Geschenke für sie organisiert und verpackt, wir fuhren mit Kindern zum Spielplatz, luden die Perchten oder den Nikolaus nach Hause ein und zeigten den Kindern unsere Österreichischen Bräuche. Einem tschetschenischen Künstler besorgte ich Leinwand und Ölfarbe und er malte wunderschöne Bilder nach russischer Schule. Eine mongolische Frau bat mich, einige Wochen auf ihren Sohn aufzupassen, während sie ein zweites Kind zur Welt brachte und im Krankenhaus lag.
Immer wieder standen Kinder vor meiner Tür und erzählten, dass eine neue Familie angekommen sei und frieren würde, sie bräuchten Decken. Oder irgendein Kind bräuchte Winterschuhe.
Um die 80 Flüchtlinge befanden sich hier bei uns im Dorf.
Und so kam es, dass ich immer wieder per Internet, Zeitungen und auch innerhalb der eigenen Familie Spendenaufrufe machte. Ich sammelte Kleidung, Spielzeug, Hygieneartikel, Kochtöpfe, Teppiche, Wolldecken und vieles mehr- und brachte die Sachen dann direkt zu den Flüchtlingen, da ich keinen Platz hatte, die Waren zu lagern.
Durch Mundpropaganda sprach sich schnell herum, dass ich sowas mache und innerhalb kürzester Zeit konnte ich so viele Waren organisieren, dass es mir beinahe schon zu viel wurde, dauernd mit dem Auto herum zu fahren, Sachen einzusammeln und den Flüchtlingen zu bringen. Abgesehen davon hatte ich ja selber auch nicht viel und der Sprit war teuer… Als dann 2011 mein ältester Sohn nach Oberösterreich zog, wurde ein Zimmer frei in unserem Haus.
Und meine erste Eingebung war es, hier endlich einen „Schenkraum“ einzurichten in dem ich die geschenkten Waren lagern kann und die Flüchtlinge die benötigten Dinge geschenkt abholen können.
Ich eröffnete also am 12. Oktober 2011 den Schenkraum in der Villa Raabennest.
Per Facebook fand sich eine liebe Person, die mir ein Logo für meinen Schenkraum schenkte, eine befreundete Bergbäuerin schenkte mir einen Tisch, meine Tochter half, den Raum einzurichten und abzuteilen, Vorhänge wurden aufgehängt, Sachen gesammelt und eingeräumt, Reporter von einer Zeitung informiert, der Herr Bürgermeister eingeladen und am Tag der Eröffnung stürmten schließlich etwa 40-60 Menschen aus allen möglichen Ländern den Raum und die Freude war auf allen Seiten riesig. Es gab ein Interview und einen guten Zeitungsartikel, ich eröffnete auch auf Facebook eine Gruppe „Schenkraum- Flüchtlingshilfe“ und Pakete aus Deutschland, Österreich und der Schweiz trudelten ein: Luftballons, Süßigkeiten, Rasierzeug, Duschgel, Schminkzeug, Schuhe für die Kinder, Regenjacken und Tücher für die muslimischen Frauen, bunt gemischte Ware. In meinem Schenkraum besteht nun die Möglichkeit, Hilfsgüter kostenlos abzuholen, oder welche zu bringen. Und mein Wunsch erfüllte sich, ich konnte umsetzen, was ich erträumt hatte.

Sonja Raab