Wie es angefangen hat....

2004 habe ich zum ersten Mal mit den Opponitzer Flüchtlingen Kontakt gehabt. Damals hab ich eine Weile die Betreuung von 19 Kindern zwischen 2 Monaten und 19 Jahren übernommen, während die Eltern Deutschkurs hatten.
Später machte ich Ausflüge mit ihnen, hatte Kinder zur Betreuung bei mir, während die Mama im Krankenhaus war. Habe Weihnachtsfeste organisiert, Frauen im Krankenhaus nach der Geburt besucht und Erstlingsgeschenke gebracht. Ausflüge zum Lunzer See gemacht, war mit Kindern reiten, wir haben dem Hufschmied zugeschaut, Pferde geputzt. Ich habe 2011 den Schenkraum gegründet und eineinhalb Jahre im eigenen Haus geleitet. Warenspenden organisiert, Sachen verteilt. Eine Ehrung von Frau Ministerin Bures erhalten, sowie von Amnesty International.

Heute veranstalte ich nur noch einmal im Jahr eine Weihnachtssammlung oder eine Überraschung für alle Opponitzer Flüchtlinge. Zuletzt am 7. Dezember 2015, wo wir eine Fotosession organisiert haben bei der alle fotografiert wurden und die Fotos geschenkt bekamen.

Auch für den Nachbarort St. Georgen habe ich in diesem Jahr gesammelt. Mal-und Bastelsachen, Geldspenden, 20 kg Mehl für die Küche, Spielzeug.

Es ist nicht wichtig WAS man tut. Wichtig ist nur DASS man etwas tut. Und es ist mir auch egal, ob es Flüchtlinge, Obdachlose, oder andere sind, denen ich helfe.

Würden bei uns im Ort Leute auf der Strasse sitzen, würde ich denen helfen. Wir haben halt nunmal 90 Flüchtlinge hier. Und ich stelle mir einfach nur vor, ICH würde jahrelang in einem Hotelzimmer sitzen, verdammt dazu, nichts zu tun, während meine Familie vielleicht irgendwo im Krieg draufgeht und auf mich hofft. Dieser Druck, die Ungewissheit, der Verlust der Heimat, der Verlust von Familie- das alles stelle ich mir furchtbar vor. Und wenn ich heute die Flüchtlingsströme im Fernsehen sehe, und nur einen kurzen Gedanken daran verschwende, was wäre, wenn mein Kind da mitlaufen müsste, frieren müsste, - ich mag es mir nicht vorstellen.

Und wenn ich es mir für mich nicht vorstellen kann, dann kann ich es auch anderen nicht zumuten. Das ist der Grund, warum ich nicht aufhören werde, für andere da zu sein, auch wenn mich einige dafür beschimpfen und beleidigen.


Jedes Lächeln zählt. Und ich weiß inzwischen: Die Lächelnden werden immer mehr.

Ich bin dankbar für jeden Einzelnen, der sich aufraffen kann und seine Komfortzone für eine Weile verlassen kann.

 


Sonja Raab

 

 

 

 

 

Die kleine Minna. Sie ist mit ihrer Mama aus Kabul zu uns gekommen. Mein Sohn ging mit ihr in den Kindergarten. Die Mama war oft bei mir zu Besuch. Sie war Lehrerin für Persisch und Mathematik. Mittlerweile haben sie Bleiberecht bekommen und leben in Österreich.





WOMAN-Award, zweiter Platz, Kategorie "Soziales"